Sonntag, 26. Juli 2015

Unsere neuen Freunde: Mooring Snubbers

So, das war sie also - unsere erste Sturmnacht an Bord der AMAREE. Und eben doch mit guten acht Windstärken in Böen; da knarrt und zerrt es überall, vom Schaukeln mal ganz zu schweigen. Je stärker der Wind wurde, desto mehr ruckte es in den Festmacherleinen. An Schlaf war nicht zu denken. Um 02.15 Uhr schmeckte eine Marmeladenstulle...um 04.30 Uhr haben wir bei erstem Licht unsere Leinen noch mehr nach hinten gezogen - der Anker war ruhig, unser Vertrauen in unser Schiff war eh da, aber wir wussten genau, was uns an Bord noch fehlte: Ruckdämpfer.

Eine wunderbare Idee von Tom kam per whatsApp am Vormittag:


Zu der Zeit waren wir allerdings schon im Hafenshop und wild entschlossen, Ruckdämpfer zu kaufen. Auf meine Frage, ob es bei einem Paar nicht den Sturmtief-Rabatt gäbe, antwortete der schlagfertige Verkäufer "nein, aber wir hätten Glück, es gäbe auch einen guten Sturm-Aufpreis".
Da unterstützen wir doch wirklich gerne die dänische Wirtschaft. :-)

Glücklich tankten wir mit unserer Beute erstmal sonnige Frischluft am Meer und schmiedeten Pläne, wie wir bei unverändert starkem Wind mit 6-8 Bft die beiden Luvleinen bestücken können.



Es hat dann sehr gut geklappt, und wir sehen einer ruckfreien Nacht entgegen.



Auf die Windfinder-Vorhersage war dann im Laufe des Tages wirklich Verlass: Abschwächen des Windes wirklich erst zum Abend hin, dafür zunehmend blauer Himmel - Grund genug nochmals eine Runde am Strand zu drehen.




Samstag, 25. Juli 2015

Tourstart 2015 - aus der Schlei Richtung Norden


Das war schon etwas seltsam: kaum hatten wir AW Niemeyer am Montag Vormittag zufrieden mit "Beute" verlassen, wußte ich, jetzt startet unser Urlaub wirklich. Ab nach Fleckeby, AMAREE beladen und bei bestem Wind nach Arnis. Unser Lieblingshafen in der Schlei erfüllte alle Erwartungen in Sachen Liegeplatz, nettem Hafenmeister und warmen Sonnenschein, so dass wir uns mit gemütlichen Leihfahrrädern nach Kappeln aufmachten.

Unterwegs trauten wir unseren Augen nicht, die berühmte KATHENA NUI erhielt letzte Farbtupfer von ihrem Eigentümer Wilfried Erdmann und wurde dann zu Wasser gelassen. Plötzlich wurden Bücherinhalte richtig lebendig, und wir sind gespannt, was das begleitende Film- und Reporterteam zu berichten hat.


Natürlich ziehe ich meinen "verwegenen" Kapitän vor...



Wir nehmen die 9 Uhr-Brücke in Kappeln und haben uns - aufgrund des genialen Windes - Assens als Ziel gesetzt.


Etwas voreilig, wie sich herausgestellt hat; es lief aber einfach zu toll. Bei 4-5 Bft schaffte AMAREE einmalige 7,4 Knoten - ich kam mir vor wie Lewis Hamilton in der Formel1. Bis dann die Wellen auf der Höhe von Lyö, also nach gut 35 Seemeilen, immer höher wurden, der Wind statt aus West immer mehr aus Nord kam und wir kreuzen mussten. Unser Ankunftszeit in Assens verschob sich laut iSailor auf 20 Uhr...das musste ja nun wirklich nicht sein. Kurzerhand Kurs Ost und entspannt noch 35 Minuten mit der Fock nach Lyö.

So schade es auch war - wir denken nämlich sehr gerne an die schnuckelige Insel und ihren fröhlichen Hafenmeister zurück - haben wir uns gleich für's Ankern entschieden. Uns war klar, dass der enge Hafen keine freien Liegeplätze mehr bot und wir bei 4 Windstärken dort eher Probleme bekommen. Und Ankern wollten wir diesen Urlaub eh viel öfter - warum denn immer nur bei Windstille?? Die Stimmung ist einfach unschlagbar.


Ein herrlich sonniger Morgen, an dem wir die Tagesroute nur zu gerne wieder weiter geplant hätten. Aber überall kamen schon die Warnungen zum Sturmtief, so dass wir Assens als festes Ziel behielten. Der Wind schlief ein und 90 Minuten unter Motor beendeten den Trip in den sicheren Hafen (...wir lieben unser neues Bergesystem :-)).


Assens Marina ist aufgrund der "lauten" Werft gegenüber nicht der Riesenhit, aber bietet viele Liegeplätze mit guter Infrastruktur. Einschließlich einiger Kräutergärten, die mir Petersilie für das Abendessen schenkten:


Und, was extrem wichtig war: einen Super Brugsen direkt am Hafen. Endlich konnten wir unser dänisches Leergut vom letzten Jahr in erfreuliche DänenKronen umwandeln.


Und diese am Folgetag gleich sinnvoll wieder einsetzen:


Am Outfit unschwer zu erkennen: Sonnenschein ist Fehlanzeige, alles steht unter dem Vorzeichen des angekündigten Wettertiefs. Und wie verbringt man bzw. Frau den Tag im Hafen? Halt nicht im Schiff, sondern entlang der Küste mit netter Wegbegleitung.


 

Die Aussichten und Wolkenformationen lassen zwar auf "spannendes Wetter" schließen, Wind ist aber jetzt um 21.30 Uhr immer noch nicht hier.




Windfinder schickt von Stunde zu Stunde friedlichere Vorhersagen für das mittlere Fünen, so dass wir in den frühen Morgenstunden wohl max. 7 Bft zu erwarten haben. AMAREE liegt gut und fest und wir kuscheln uns hier ein. Mal sehen, ob wir uns morgen mit zwei Reffs raus trauen...Bogense ist unser Ziel.

Dienstag, 9. Juni 2015

Arbeiten in 15 Meter Höhe

Gestern bin ich zum ersten mal allein mit Amaree auf Tour gegangen. Petra war bereits am Sonntag abgereist, weil am Montag die Arbeit auf sie wartete.
Für die Mittagszeit waren wieder starke Böen aus West vorhergesagt, also bin ich schon gegen sieben Uhr in Fleckeby gestartet. Die Fahrt nach Arnis war bei achterlichen Winden ein echter Genuss.

Beim Anlegen in Arnis hatte ich netterweise einen hilfsbereiten Skipper am Steg, der mir die Leinen am Bug abnahm. So gelang mir das Solo-Anlegemanöver trotz Seitenwind doch recht schnell.


Für heute Morgen war ich um 8:00 Uhr mit dem Arnisser Hafenmeister Hans-Joachim Jensch am Mastenkran verabredet, um den Windmesser zu justieren.
Das Verholen zum Kranplatz verlief dank Windstille tadellos, nur die Möwe, die ihren Brutplatz dort direkt am Steg hatte wollte mich mit lautem Geschrei vertreiben.
 

Nachdem der Hafenmeister mir die Leiter zur Arbeitsplattform aufgeschlossen hatte, konnte ich zur Mastspitze klettern und den um 90° falsch montierten Windmesser in die richtige Position drehen.


Die Aussicht von hier oben ist grandios und ich hatte zum Glück die Kamera eingesteckt. So konnte ich auch noch dieses tolle Foto aus der Vogelperspektive schiessen.


Jetzt hieß es wieder Segel auf und bei schwachem Nordostwind zurück nach Fleckeby, was heute wegen der schwachen Brise fast sechs Stunden gedauert hat, dafür aber umso entspannter verlief.
In Fleckeby war dann der nette Stegnachbar beim Festmachen zur Stelle und der erste Einhand-Ausflug war perfekt gelaufen.

Sonntag, 10. Mai 2015

Endlich in Fleckeby

Heute machen wir uns auf die letzte Etappe von Kappeln nach Fleckeby. Entlang der Schlei durch goldgelbe Rapsfelder bei frischem Nordwestwind.


Wir sind zu faul das Großsegel zu setzen und segeln nur mit der Fock. Amaree macht unter diesen Bedingungen tatsächlich 5,5 - 6 Knoten Fahrt. Wir sind schon wieder begeistert, wie flott die Nordwind32 bei 3-4 Windstärken unterwegs ist.



Nach vier Stunden legen wir, wie im letzten Jahr, an unserem Platz 78 im Hafen Fleckeby an.

Es bleibt noch Zeit, die Aufkleber mit der Typenbezeichnung an den Lukendeckel zu kleben. Die Schilder liegen schon seit Monaten im Schiff und sind ein Überbleibsel aus dem Winterbau.


Ebenfalls neu in dieser Saison ist unser Bergesystem für das Großsegel. Das Segel fällt automatisch, durch die Leinen geführt in die offene Tasche mit Reißverschluss. So kommen wir immer aufgeräumt in die Häfen, ohne das Segel extra festzubändseln. Umgekehrt sind wir sehr schnell segelklar, wenn es los geht. Das hat uns bereits im Januar der Segelmacher "Segel-Horst" in Bardowick passgenau angefertigt. Eine ordentliche Arbeit hat er da abgeliefert.

Samstag, 9. Mai 2015

Von Laboe an die Schlei

Nachdem wir in Spanien wieder ordentlich Sonne getankt hatten, konnte es an die nächste Etappe gehen. Die defekte Stopfbuchse wurde in der Schiffswerft Laboe repariert. Amaree lag an diesem Freitag bereits segelfertig im Wasser am Anleger der Werft.
Das Wetter meinte es nicht sonderlich gut mit uns an diesem Morgen. Es regnete und aus Westen zogen immer mehr schwarze Wolken zu uns.
Gegen mittag sind wir dann raus auf die Ostsee mit Kurs Schleimünde.



Der Wellen kamen schräg von hinten auf diesem Kurs und wir wurden erstmal richtig Seekrank bei dem Geschaukel.
 Gut, dass es nur noch 3 Stunden bis nach Kappeln waren, wo schon die heiße Dusche auf uns wartete.

Amaree hat die ganze Fahrt über dicht gehalten. Die Reparatur war also erfolgreich und wir können guten Mutes in die neue Saison starten.

Freitag, 10. April 2015

Amaree nimmt viel Wasser auf

Nach einer unruhigen Nacht, aus Angst das Amaree voll läuft und mit uns auf Grund geht, legen wir schon um 7:00 Uhr ab ohne zu frühstücken. Wir haben uns den Yachthafen in Laboe als Tagesziel ausgesucht. Dort gibt es eine Werft mit einem großen Kran, der uns aus dem Wasser heben kann.


Wir haben keinen Wind und wieder etwas Nebel, aber der blaue Himmel ist schon zu sehen. Als wir wieder auf dem Kanal sind, kämpft sich die Sonne bereits durch den Nebel und der Tag startet viel milder als der gestrige. Doch wir können die schönen Augenblicke gar nicht richtig geniessen, aus Angst, den rettenden Kran in Laboe nicht rechtzeitig zu erreichen.


Wir sind wieder fast allein auf dem Kanal unterwegs. Das Wasser fliesst immer stärker ins Schiff, wir müssen schon stündlich pumpen. Auf Kieler Seite sind die zwei kleinen Schleusen gesperrt und wir müssen über eine Stunde warten, bis wir mit in eine der großen Schleusen genommen werden.

Nach der Schleusung kämpfen wir uns durch die lebhafte Kieler Förde nach Laboe. Den Wasserstand der Bilge fest im Blick. In Laboe festgemacht laufen wir sofort zum Büro der Schiffswerft, wir hatten uns schon telefonisch angemeldet. Auf unser Drängen bekommen wir einen sofortigen Krantermin.

Beim Rangieren im Hafen löst sich die Stopfbuchse immer mehr und der Rinnsal ist zu einem Bach geworden, der ständig abgepumpt werden muss. So bleibt Petra an der Pumpe und ich helfe den Jungs der Werft beim Anlegen der Gurte. Dann kann der Kran endlich anziehen und hebt uns aus dem Hafenbecken. Die Gefahr ist gebannt, Puh, das war knapp.


Hier in Laboe wird Amaree nun ein paar Wochen liegen bleiben und repariert, während wir uns für zwei Wochen nach Spanien verziehen und erholen.

Donnerstag, 9. April 2015

Start in die neue Saison

Schon lange planen wir den 9. April für unsere viertägige Überführung aus dem Winterlager in Hamburg-Harburg in die Schlei nach Fleckeby.
Das Hochwasser ist um 8:40 in Hamburg St. Pauli und das ablaufende Wasser soll uns bis nach Brunsbüttel die Elbe hinunter tragen.


Um 7:30 Uhr machen wir die Leinen los, um pünktlich um 8:00 Uhr die Kattwykbrücke zu passieren.
Es ist mit 4° C und Nebel wirklich noch recht frisch an diesem Morgen. Wir tragen alle vorhandenen, wärmenden Kleidungsschichten, um der Kälte zu trotzen.


Die Elbe wirkt bei diesem Nebel wirklich gespenstisch und ungemütlich. Zur Sicherheit schalten wir alle Positionslampen ein, in der Hoffnung, die dicken Pötte auf der Elbe nehmen uns so besser wahr.


Am späten Vormittag kommt dann die Sonne zum Vorschein und verwöhnt uns mit wärmenden Strahlen. Petra verwöhnt mich derweil mit wärmendem Kaffee und frischem Brot mit Krabbensalat und Marmelade.
Durch die schiebende Strömung machen wir teilweise gute 9 Knoten über Grund und sind schon um 13:30 Uhr an der Schleuse in Brunsbüttel. Ich melde mich beim Schleusenwärter und frage nach dem nächsten Termin, worauf er freundlich aber bestimmt antwortet: "Dann gebt mal Gas, ihr könnt hier noch mit rein!"


Den Nord-Ostsee-Kanal haben wir dann fast für uns allein. So können wir in der Mitte des Kanals fahren und dem Autopiloten die Steuerung überlassen, der immer etwas herum eiert.

Die Sonne wärmt das Cockpit jetzt schon ordentlich auf und wir sitzen jetzt im T-Shirt hinter der schützenden Sprayhood.


Kurz vor 18:00 Uhr erreichen wir unser heutiges Ziel, die Schleuse am Gieselaukanal auf Kilometer 40 des Nord-Ostsee-Kanals. Die Natur hier auf dem schmalen Gewässer beeindruckt uns sehr. Hier krächzen Gänse, Reiher und Enten um die Wette, sonst ist nichts zu hören.

Im Bereich vor der Schleuse gibt es an beiden Seiten lange Stege als Übernachtungsmöglichkeit für die Sportschifffahrt. Strom und Wasser gibt es nicht, nur Toiletten stehen am Schleusenhäuschen für die Skipper zur Verfügung.



Bei den abendlichen Kontrollen fällt mir auf, daß wir Wasser in der Bilge haben und ein kleiner Rinnsal aus dem Heck ständig Wasser dazu fügt.


Den Saugschlauch der Pumpe hatte ich glücklicherweise im Winter erneuert, der alte war gerissen. So liess sich das Wasser schnell abpumpen. Die Quelle für den Wassereintritt haben wir schnell gefunden: Die in der Werft in Harburg neu montierte Stopfbuchse hatte sich etwas gelöst und konnte so die Schraubenwelle nicht mehr komplett abdichten. Schon beim zu Wasser lassen, sprudelte es aus der Buchse, weil sie etwas zu groß dimensioniert ist für unsere Welle. An dem Tag wurde das Problem behoben, indem etwas Klebeband um das Stevenrohr gewickelt wurde.
Jetzt, hier im Wasser, lässt sich daran nichts reparieren, weil im Falle eines Falles, unser Schiff binnen Minuten voll Wasser liefe und auf Grund ginge.
Die kommende Nacht müssen wir also regelmässig den Wasserstand in der Bilge kontrollieren und abpumpen. Na prima, so haben wir uns den Start in die Saison nicht vorgestellt.